Aktivieren des Oberlin-Faktors

Bildung, die die dringendsten Bedürfnisse und Probleme der Menschen um uns herum aufnimmt und gesellschaftsrelevante Lösungen schafft.

Inter-European October 27, 2021

Alsace, France, im 18. Jahrhundert: das Leben auf dem Land war hart und entbehrungsreich. Die Menschen lebten in Armut, es fehlte Erwachsenen wie Kindern an allem, besonders aber an Ausbildung und Know-how. In dieser Zeit, 1740, erblickte John Frederick Oberlin in Strasbourg, France, das Licht der Welt. Oberlin studierte in seiner Geburtsstadt Theologie, Philosophie, Naturwissenschaften, erlangte den Magistergrad, wurde zum Pastor von Waldersbach berufen. Konfrontiert mit dem sozialen und wirtschaftlichen Elend in seiner Umgebung, begann Oberlin zusammen mit seiner Frau Magdalene Salome Witter der Bevölkerung in ihrer Gegend zu dienen. Fokussiert auf die Bedürfnisse der Menschen starteten sie den Aufbau von allgemeinbildenden Schulen, Berufsschulen (Handwerk, Metallverarbeitung, Bauwirtschaft), Einrichtungen der Erwachsenenbildung (Agrarwirtschaft). Seine Frau Magdalene Salome unterrichtete junge Mädchen und bildete Erzieherinnen für Vorschulen aus. Gleichzeitig initiierte Oberlin den Aufbau von Infrastruktur wie Straßen zu den schwer erreichbaren Dörfern. Er gründete landwirtschaftliche Vereine, um moderne Saat- und Anbaumethoden sowie praktische Hilfe zu ermöglichen. Durch ihr sozialpädagogisches Wirken eröffneten die Oberlins auch Frauen einen Weg in die Berufswelt. Im Juni 1826, nach einem langen, selbstlosen und gesegneten Leben, starb John Frederick Oberlin, doch sein Einfluss ist heute noch lebendig. Rund um den Globus wurden viele pädagogische Einrichtungen nach ihm benannt, ebenso wie die Stadt Oberlin in Ohio, USA.

Szenenwechsel, Ohio, USA, im 19. Jahrhundert, Sommer 1832: Zwei Freunde, der presbyterianische Pastor John Jay Shipherd und der Missionar Philo Penfield Stewart, trafen sich am Südufer des Eriesees. Sie kannten sich aus der Schulzeit an der Pawlet Academy in Vermont. Diese Zeit hatte beide in ihrer religiösen Erfahrung und Beziehung zu Gott tief geprägt. Beide waren zuvor auf Missionsreisen. In der Gegend, heute bekannt als Greater Cleveland, trafen sie die Entscheidung, eine Siedlung und ein College aufzubauen, das Oberlin-Collegiate-Institute, heute bekannt als Oberlin College. Ihre Zielsetzung, Lehrer und christliche Leiter auszubilden, praktisch, handwerklich und missionarisch. Im Dezember 1833 startete das College. Ein Novum – Koedukation. Ab 1835 wurden African-Americans aufgenommen. In der Folgezeit wurde Oberlin förmlich überrannt, das Motto “Learning and Labor” war Programm, die Studierenden arbeiteten auf dem Campus in praktischen Tätigkeiten, ihre Studiengebühren wurden ihnen entsprechend erlassen.

Anfang des 20. Jahrhundert erweiterte Ellen White die reformpädagogischen Ansätze von Oberlin. Sie schrieb: „Our ideas of education take too narrow and too low a range. There is need of a broader scope, a higher aim. True education means more than the pursual of a certain course of study. It means more than a preparation for the life that now is. It has to do with the whole being, and with the whole period of existence possible to man. It is the harmonious development of the physical, the mental, and the spiritual powers. It prepares the student for the joy of service in this world and for the higher joy and wider service in the world to come.” (Education, p.13) Um diese pädagogische Ausrichtung praktisch umzusetzen, unterstützte sie ab Juni 1904 aktiv die Arbeit von E. A. Sutherland, der mit einem Team das reformpädagogische Madison College in Tennessee aufbaute.

Und heute, im 21. Jahrhundert: Was brauchen wir jetzt? – In unseren Schulen benötigen wir mehr Angebote, um haptische Fertigkeiten zu entwickeln; wir brauchen Schülerfirmen, Unternehmergeist, der anpackt. Bildung, die die dringendsten Bedürfnisse und Probleme der Menschen um uns herum aufnimmt und gesellschaftsrelevante Lösungen schafft. Den Auftrag dazu finden wir im Buch Jesaja, in Kapitel 58. Wir haben einen kreativen Schöpfer, der uns selbst mit Kreativität beschenkt hat. Das Motto damals wie heute: „Learning and Labor“. Ganzheitlich, praktisch und alltagsrelevant. Motiviert zu dienen. So wie John Frederick Oberlin, der sich täglich von der Liebe zu Gott und zum Nächsten motivieren ließ, der seine Kraft erhielt aus einer tiefen Verbindung mit Gott. Wir brauchen mehr vom Oberlin-Faktor.

Author

Markus works as Education Director of the Baden-Wuerttemberg Conference in the South-West of Germany. He has worked before as a Pastor, held several Senior Management positions in international corporations and is the founder of several business ventures, including the ministry Hyve International. Markus received his first degree in Theology, an M.A. in Education (Andrews University) and an MSc in Management (City, University of London). His professional interests include school management, product development and social entrepreneurship.

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